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Garbalas

Der Barde im Düsterwald

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*steht etwas linkisch und verlegen am Rand der Bühne*

Also... äh... ich hab mal meine neueste Komposition mitgebracht. Wenn ihr mögt, äh... dann hört doch mal rein!

*zupft nervös an seiner Kappe, nickt dann eifrig und zieht die Harfe hervor*

DÜSTERWALD

Im schaurig toten Düsterwald

Da ist es bäh und doof und kalt.

Dort zwischen zähnenstarken Wargen,

Den ganz bös menschenfressend argen,

Tönt einsam dreist ein Pling der Laute,

Vor der bislang kein Warg sich graute.

Doch nun, nach endlos' Übestunden,

Des Barden Ungeschick verschwunden.

Er spielt die machtvoll Melodei,

Den Wargen jedoch einerlei,

Sie bilden einen Ring der Felle.

Der Barde schwitzt! Geht keine Welle

Seiner Macht durch ihre wogend Massen,

Die fletschen, grollen, drohen, hassen?

Ist denn die Macht, die ihm versprochen,

Ein Schwindel, den er nicht gerochen?

Dann wird es still. Die Warge schmatzen.

Sie lieben Barden, die's verpatzen.

Und nach gemächlich stillen Horen,

Die Warge mit den spitzen Ohren

Den Wald durchhorchen nach den Wesen,

Wie der Barde eins gewesen,

Die trotz des allbekannten Dräuen

Es nicht versteh'n und dann bereuen

In einen Wald Musik zu bringen,

In diesem sonst nur Warge singen.

*verbeugt sich und geht still lächelnd von der Bühne ab*

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Oje. Und ich Anfänger habe die erste Bardenregel verletzt: Präsentiere nie dein bestes Stück zuerst! Aber ein paar Stücke habe ich noch aus dem Bardenzyklus:

MACHT

Ein Bard um eines Reimes willen,

Begann 'ne Horde Orks zu killen.

Doch als sie von ihm hingemeuchelt

Sein Reim darauf war nur geheuchelt.

Zugegeben es ist sehr kurz. Also gleich noch eins. Die Freunde der Geographie werden sich an den Teich des schleichenden Todes erinnern. Hier eine kleine Reminiszenz:

WASSERLOCH

Der Barde steht am Wasserloch

Das Wasser rinnt, es stinkt auch noch

Nach Farben der Vergangenheit.

Der Barde ist wohl ziemlich breit.

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In diesem Stück beleuchte ich die Sorgen eines ordnungsliebenden Barden im Angesicht von Horden Untoter:

IM GRAB

Der Barde in den Knochen wühlt erregt.

Den einen links, den anderen rechts er legt.

Dann setzt er sich, um nachzudenken.

Es ist schon eine Last mit den Gelenken

Wenn Knochen nicht zu Knochen paßt.

Die Kerle zu sortieren ist eine grobe Last.

Vor allem, wenn zuvor mit viel Gehabe

Sie durcheinander flogen in dem Grabe.

Sie mühten sich vor wenig Augenblicken

Des Barden Leben schmählich abzuknicken.

Doch der mit seines Liedes Kraft

Hat alle sie dahingerafft.

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Herrlich! Das Versmaß und die Wortwahl erinnern mich irgendwie an Wilhelm Busch, der ein Meister der Worte war :)

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Es ist kaum zu glauben, aber inzwischen wird sogar Sekundärliteratur über

Garberts künstlerischen Werdegang geschrieben. Ich darf hier ein Stück

vorstellen, das als Vorstellung Garberts geschrieben wurde vor einer

Rezitation der Düsterwald-Ballade:

Garbert wurde in Thal am Fuße des Erebor geboren. Bereits sein erster

öffentlicher Auftritt hat Erwähnung in der Stadtchronik von Thal gefunden.

Dort schreibt der Stadtbarde, der gleichzeitig auch Chronist und Archivar

der Stadt ist, in knappen aber treffsicheren Worten:

DAS ERSTE MAL

Es war ein Barde aus Thal

Der sang zum ersten Mal

Die Leute rannten

Die Häuser brannten

Er tut es nicht nochmal

Damit hatte Garberts Gesangkarriere den ersten Höhepunkt erreicht und

gleich schon ihr jähes Ende gefunden.

Von diesem Punkt an findet man über Garberts Gesang keine Berichte mehr.

Nur seine Freunde erzählen noch von scherzhaften Drohungen mit einem

Life-Konzert. Wo Garberts Gesang allerdings immer wieder zu hören ist,

ist in den Schlachten der Ringkriege, wo seine Schlachtgesänge bei Freund

und Feind gleichermaßen bekannt und gefürchtet sind.

Überliefert ist aber leider deutlich mehr seines dichterischen Schaffens.

Das erste überlieferte Gedicht ist wohl noch unter dem Eindruck des

Höhepunkts seiner Gesangskarriere geschrieben worden:

TROST

Der Barde sitzt im Keller

Der Wein der fließt gar reichlich

Mit Schnaps ging es noch schneller

Doch ist nichts da dergleichnich

Bereits in diesem Gedicht finden sich die drei zentralen Motive, die

Garberts gesamtes Schaffen durchziehen:

1) Der Selbstbezug. Praktisch alle Werke Garberts durchzieht eine starke

autobiographische Note, auch wenn viele der beschriebenen Ereignisse

dann dichterisch überhöht werden.

2) Die Machtlosigkeit und das Scheitern. In diesem Gedicht als Folge nicht

näher erwähnter Ereignisse aber unterschwellig in praktisch allen seinen

Werken zu finden.

3) Seine künstlerische Sparsamkeit. Ein anonym bleibender Freund Garberts

beschreibt das sehr treffend mit den Worten:

"Garbert betreibt die künstlerische Ökonomie mit bewundernswert

erschreckender Konsequenz. Mit jedem seine Werke bestätigt er

sein Paradigma aufs neue, indem er mit dem kleinstmöglichen Einsatz

von Talent ein Maximum an Empörung bei seinem Publikum erreicht."

Auch in späteren Werken läßt sich dieses Paradigma wiederfinden. So zum

Beispiel in seinem legendären Gedicht WASSERLOCH, in dem es heißt:

WASSERLOCH

Der Barde steht am Wasserloch

Das Wasser rinnt, es stinkt auch noch

Nach Farben der Vergangenheit

Der Barde ist wohl ziemlich breit

Bewunderung erzielte dieses Gedicht in Fachkreisen durch seinen subtilen

synästhetischen Ansatz.

Noch ein letztes Beispiel möchte ich präsentieren, bevor wir zur Ballade

kommen. Wuchtvoller ist der Wahnsinn der ganz Mittelerde in ihren Bann

ziehenden Ringkriege selten zum Ausdruck gebracht worden:

MACHT

Ein Bard um eines Reimes willen

Begann ne Horde Orks zu killen

Doch als sie von ihm hingemeuchelt

Sein Reim darauf war nur geheuchelt

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